Bioladen Reusten






BIOLADEN REUSTEN FELDWEG EG -
LOKALER LADEN ALS GLOBALES VORBILD

Regionale Lebensmittel, kurze Transportwege und eine enge Kundenbindung sind nur einige Merkmale, die den Bioladen Reusten aus Ammerbuch auszeichnen. Welche Dinge im Kleinen ganz Großes bewegen können, erzählen uns die beiden Aufsichtsrätinnen des Genossenschaftsbetriebs Ursula Döttlig-Vogt und Gabi Häfele im Interview mit den Stadtwerken Tübingen anlässlich der Bewerbung zum Umweltpreis 2020.

Frau Döttlig-Vogt, Frau Häfele, gerne würden wir Ihren Betrieb kurz kennenlernen. Erzählen Sie uns doch, was genau Sie überhaupt machen.

Wir sind ein Bioladen mit großer Tradition aus den 80er Jahren. 1980 wurde im Dorfladen Reusten (gegründet 1906) die erste Bioecke eingerichtet und ab 1984 von verschiedenen Besitzern langsam in ein Naturkost-Fachgeschäft umgewandelt. 2001 gründete sich die Feldweg GbR zur Rettung des Bioladens, als die letzten Besitzer den Laden verkaufen wollten. Durch die Geschäftsanteile der Gesellschafter und Kredite von Kunden konnte der Laden weitergeführt werden. Allerdings war die Rechtsform der GbR nicht tragfähig. So wurde 2003 die Genossenschaft Feldweg eG gegründet. Die meisten Kredite und Geschäftsanteile konnten in Genossenschaftsanteile umgewandelt werden. Heute hat die Genossenschaft über 50 Mitglieder. Wir bieten Produkte von lokalen und regionalen Herstellern an und das in möglichst hoher Bio-Qualität wie Bioland, Demeter, Naturland etc. Wir führen ein Lebensmittel-Vollsortiment mit vielen vegetarischen und veganen Produkten und frischem Obst und Gemüse. Aber auch ein großes Bio-Wein Sortiment, sowie Wasch- und Putzmittel und Kosmetika gehören zu unserem Angebot. Wir sind ein Genossenschaftsbetrieb, bei dem die Gemeinschaft und das persönliche Engagement der Kunden gelebt wird.

Bioladen Reusten

Sie bewerben sich beim swt-Umweltpreis 2020. Welches ökologische Engagement Ihres Betriebes liegt Ihnen besonders am Herzen?

Die Nachhaltigkeit ist ein Anliegen all unseres Tuns. Die zuverlässig regionalen Biolebensmittel (von Bioland, Demeter, Naturland oder anderen zertifizierten Labels), sowie die Tradition des Dorfladens bedeutet kurze Wege für Kundschaft und Lieferanten, was gleichzeitig eine wichtige Vorraussetzung zur Aufrechterhaltung der dörflichen Infrastruktur ist. Besonders am Herzen liegt uns unser Gewölbekeller für das gesamte Obst- und Gemüsesortiment. Er bietet stets frische Ware ohne viel zusätzlichen Energieverbrauch. Zur Müllvermeidung wird das gesamte Obst- und Gemüsesortiment unverpackt angeboten. Unverpackt gibt es auch Brot, Oliven, getrocknete Tomaten, Käse aus der Theke und Spül- bzw. Waschmittel. Die persönliche Betreuung und Beratung der Kundschaft sind uns sehr wichtig, so entsteht in unserem Laden eine besondere Atmosphäre.

Bioladen Reusten

Was genau möchten Sie mit Ihrem Engagement bewirken?

Allgemein wollen wir die ökologische Landwirtschaft und Nachhaltigkeit im weitesten Sinne unterstützen. Im Speziellen wollen wir Menschen in Reusten und der weiteren Ammertal-Umgebung eine Einkaufsmöglichkeit für biologische Produkte bieten. Wir legen großen Wert darauf, Kundenwünsche an das Sortiment zu erfüllen und ermöglichen die Bestellung ganzer Gebinde (mit Rabatt). Auch Artikel, die bisher nicht im regulären Sortiment sind. Die Mitglieder unserer Genossenschaft haben beim Einkauf im Bioladen besondere Vorteile.

Die Praxis ist meist schwieriger als die Theorie. Welchen unerwarteten Herausforderungen mussten Sie sich stellen und welche Rückschläge mussten Sie ggf. sogar verkraften?

Die stetig wachsende Zahl an Supermärkten, die ihr Bio-Sortiment ausbauen, erzeugen Druck für einen kleinen Dorfladen wie den unseren. Diese Situation begrenzt unsere Umsatzentwicklung, aber trotzdem haben wir es geschafft in den letzten 10 Jahren einen moderaten Wachstumskurs zu realisieren. Als kleiner Laden müssen wir dieser Herausforderung ständig kreativ begegnen, z.B. gibt es einen Newsletter, Seminare mit Verkostung, die jährliche Weinprobe und andere Infoveranstaltungen. Zugute kommt uns sowohl die Gesellschaftsform als Genossenschaft, bei der wir auf die Treue und Unterstützung durch unsere Mitglieder zählen können, als auch die günstige Ladenmiete unserer Vermieterin.

Ist Ihr hier präsentiertes Engagement in eine Gesamtstrategie eingebettet, um Ihr Unternehmen nachhaltiger aufzustellen? Falls ja, welche Aspekte beinhaltet sie?

Bei unserer Gesamtstrategie liegt das Hauptaugenmerk darauf, Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Klimaneutralität zu fördern. Das fängt an bei der Auswahl von Produkten aus nachhaltiger Landbewirtschaftung und geht weiter mit der Orientierung auf lokale und regionale Produkte. Wir unsere Waren direkt beim Händler oder bei „Pax-an“, einem regional ausgerichteten Großhändler aus Engstingen. Mit eiweißhaltigen vegetarischen und veganen Nahrungsmitteln bieten wir den VerbraucherInnen Alternativen zum Fleisch, das in der Klimabilanz mit hohem Wasserverbrauch und viel CO2-Ausstoß zu Buche schlägt. Auch sind wir ständig dabei, unsere Energieeffizienz im Laden zu verbessern. Wir sind darauf bedacht bei Investitionen die Nachhaltigkeit des Produktes als Priorität zu sehen, z.B. beim Austausch von Kühlschränken oder bei der Beleuchtung. Wir sind schon seit 2003 eine Genossenschaft und organisieren mit dieser eine ökologische und nachhaltige Lebensmittelwirtschaft im Ammertal und seiner Region. Zur Stärkung des Genossenschaftsgedankens und der lokalen Vernetzung überlegen wir im Moment den Beitritt zur Genossenschaft "Xäls eG" (ökologische Genossenschaft Neckar-Alb).